Anthroposophische Medizin
Anthroposophische Medizin ist eine durch geisteswissenschaftlich Erkenntnisse erweiterte naturwissenschaftlich-medizinische Richtung.
Sie wird von konventionell approbierten Ärzten mit anthroposophischer Zusatzausbildung ausgeübt. Kernpunkt ist eine ganzheitliche individualisierte Patientenversorgung. Diese beruht auf einer differenzierten Berücksichtigung von Wirkfaktoren auf den Ebenen von Körper, Leben, Seele, Geist und Sozialkontext, und zwar sowohl in der Krankheitserkenntnis wie auch in der Therapie. Die Therapie kann je nach Indikation konventionelle Pharmaka, pharmazeutisch verarbeitete Natursubstanzen wie Heilpflanzen oder Mineralien, äußere Anwendungen wie Massagen oder Bäder, Bewegungs-, Kunst- oder Gesprächstherapie umfassen.
In Deutschland gibt es rund 1.200 bis 1.300 anthroposophisch weitergebildete Ärzte, in eigenen Praxen und in ca. 12 anthroposophischen Kliniken. Dazu zählen Akutkrankenhäuser mit vollem Versorgungsauftrag, Fachkliniken in der Psychiatrie und Psychosomatik sowie Reha-Einrichtungen. Die bekanntesten großen Häuser sind das Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe in Berlin, das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke bei der Universität Witten-Herdecke und die Filderklinik bei Stuttgart.
In der Schweiz, Deutschland und Holland ist die Anthroposophische Medizin an mehreren Universitäten vertreten: in Bern, Basel, Witten/Herdecke, Berlin -Charité, in Freiburg im Breisgau, Ulm und Leiden.
Prof. Dr. Harald Matthes:
Vortrag zu Gemeinwohlökonomie im Krankenhaus,
Integrative Medizin und Ökologische Pharmazie
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Prof. Dr. Harald Matthes ist Mitbegründer und Leiter der Medizinischen Klinik des 1995 gegründeten Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe (Berlin) mit vielfältigen integrativen Angeboten der Anthroposophischen Medizin.
PD Dr. med. Friedemann Schad:
Einführung in die Anthroposophische Medizin
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Aufgezeichnet im Rahmen der Anthroposophie-Kennenlerntage am 12. März 2023 in Berlin, im Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe - Klinik für Anthroposophische Medizin
Themenbezogene Studien und Analysen
AMOS-Kostenanalyse
In der AMOS-Studie (1) wurden die Krankheitskosten bei 770 Patienten ausgewertet, die wegen einer chronischen Erkrankung in anthroposophische Therapie kamen. Verglichen wurden direkte und indirekte Krankheitskosten des Studienvorjahrs mit dem ersten und zweiten Studienjahr. Im ersten Studienjahr erhielten die Patienten neue AM-Therapien, dennoch gab es keine Kostensteigerung. Im zweiten Studienjahr waren die Kosten im Vergleich zum Vorjahr um 13 % signifikant verringert, vor allem infolge geringer Krankenhauskosten.
AMOS-Kostenanalyse bei Depression
Depression ist die drittwichtigste Krankheitsursache für Arbeitsunfähigkeit in Europa, mit gewaltigen ökonomischen Konsequenzen.
In der AMOS-Studie wurden u.a. die Krankheitskosten von Patienten ausgewertet, die wegen chronischer Depression in anthroposophische Therapie kamen (2). Sie wurden verglichen mit AMOS-Kostendaten von Patienten mit depressiven Symptomen, die aber wegen einer anderen Erkrankung eine anthroposophische Behandlung erhielten, und von Patienten ohne depressive Symptome. Die Kosten der Patienten mit chronischer Depression war im Vorstudienjahr signifikant um 63 % bzw. ca. 100 % höher als in den beiden anderen Gruppen. Im ersten Studienjahr blieben die Kosten weitgehend unverändert, im zweiten Studienjahr gab es aber eine signifikante Kostenverringerung bei den Depressionspatienten.
Diese Analyse war ein Novum: Sie war der überhaupt erste derart dreiarmige Kostenvergleich bei Patienten mit Depression, außerdem war es eine der wenigen bisherigen Analysen mit Kostendaten für zwei bis drei aufeinanderfolgende Jahre.
Aus aktuellem Anlass:
Vor der Abstimmung der Gesundheitsreform im Bundestag - Juni 2026
Faktencheck Kosten-Nutzen-Komplementärmedizin - Kurz und kompakt
Quellenangaben:
(1) Hamre HJ, Witt CM, Glockmann A, Ziegler R, Willich SN, Kiene H: Health costs in anthroposophic therapy users: a two-year prospective cohort study. BMC Health Serv Res 2006, 6(65).
(2) Hamre HJ, Witt CM, Glockmann A, Ziegler R, Kienle GS, Willich SN, Kiene H: Health costs in patients treated for depression, in patients with depressive symptoms treated for another chronic disorder, and in non-depressed patients: a two-year prospective cohort study in anthroposophic outpatient settings. Eur J Health Econ 2010, 11(1):77-94.
Hamre HJ et al. (2007). Anthroposophic vs. conventional therapy of acute respiratory and ear infections — AMOS-Studie. Eur J Med Res. 12(8):360–371.
Michalsen A et al. (2021). Eurythmy therapy, yoga and physiotherapy for chronic low back pain — YES-Trial. Complement Ther Med.
Seifert G et al. (2018). Rhythmical massage in patients with chronic musculoskeletal and psychosomatic complaints. J Integr Med.
von Bonin D et al. (2018). Therapeutic speech exercises in patients with chronic diseases — effects on heart rate variability. Complement Med Res.
Martin D (2020). Anthroposophische Medizin: Grundlagen und Therapiekonzepte. Complementary Medicine Research
Thronicke A et al (2025) Combined Immune Checkpoint Blockade and Helixor® Therapy in Oncology: Real-World Tolerability and Subgroup Survival (ESMO GROW). Int J Mol Sci.
Matthes H (2024) The Earth as a Living Organism: Contribution of Integrative Medicine to the Healing of Our Planet (One Health). Complement Med Res.
Baars EW et al (2022) Anthroposophic Medicinal Products: A Literature Review of Features, Similarities and Differences to Conventional Medicinal Products, Scientific and Regulatory Assessment. Glob Adv Health Med.
Baars EW et al. (2014) A 6-year comparative economic evaluation of healthcare costs and mortality rates of Dutch patients from conventional and CAM GPs. BMJ Open
Baars EW et al. (2012) Patients whose GP knows complementary medicine tend to have lower costs and live longer. Eur J Health Econ. 2012 Dec
Hamre HJ (2023) Efficacy of homoeopathic treatment: Systematic review of meta-analyses of randomised placebo-controlled homoeopathy trials for any indication. H. Syst Rev.
Kiene H et al. (2024) A Fundamental Question for Complementary Medicine: Are There Other Forces in the Natural World Besides the Physical Forces? Complement Med Res.
Kiene et al. (2013) In support of clinical case reports: a system of causality assessment. Glob Adv Health Med.
Hamre et al. (2014) Overview of the Publications From the Anthroposophic Medicine Outcomes Study (AMOS): A Whole System Evaluation Study. Glob Adv Health Med.