ADS/ADHS und Homöopathie
Kann Kindern mit Homöopathie geholfen werden?
Besser als mit einem Placebo, eventuell sogar genau so gut wie mit dem schulmedizinischen Standardmedikament, das zu den psychoaktiven Wirkstoffen gehört? Genau diesen Fragen ging eine Forschungsgruppe um Heiner Frei an der Universität Bern nach. Über einen Zeitraum von insgesamt vier Jahren untersuchten die Wissenschaftler nach den Standards einer klinischen Studie die Behandlungsverläufe bei Schülern mit ADS. Die Teilnehmer waren zu Beginn der Untersuchung zwischen sechs und sechzehn Jahre alt, bei allen war ein Behandlungsbedarf eindeutig diagnostiziert worden.
Studienphasen
Die Studie verlief in zwei Phasen. Zunächst wurden die Jugendlichen von ihren jeweiligen Ärzten untersucht. In dieser Klarphase erhielten also alle Teilnehmer eine normale homöopathische Anamnese (Patintengespräch) und Behandlung. Danach begann die randomisierte, doppelverblindete Phase. Nach dem Zufallsprinzip bekamen die Teilnehmer entweder ihr individuelles Heilmittel oder weiße Zuckerkügelchen ohne Wirkstoff; jeweils zugeschickt von einer speziell für die Studie beauftragten Firma. Weder die Jugendlichen und ihre Familien, noch die Ärzte oder die Studienleitung wussten, zu welcher Gruppe die Teilnehmer jeweils gehörten. Mehr lesen:
Punktesystem
Nun lässt sich die Beeinträchtigung durch ADS nicht so einfach messen wie beispielsweise unser Puls. Um für eine Studie dennoch beurteilen zu können, ob das Aufmerksamkeitsdefizit stärker oder schwächer ausgeprägt ist und ob sich daran etwas ändert, wird der Conners Global Index (CGI) angewendet. Eltern und Lehrer beurteilten bestimmte Verhaltensweisen wie Aufmerksamkeit, Impulsivität oder Schüchternheit nach einem festen Fragemuster mit Punkten. Mehr lesen:
Direktvergleich
Hinter den trockenen Zahlen verbirgt sich ein enormer Erfolg. Schon nach kurzer Zeit setzte bei den meisten Probanden eine langanhaltende Normalisierung ein. Die Behandlung mit zusätzlichen Medikamenten war nicht nötig; auch Jugendliche, die zuvor Ritalin hatten nehmen müssen, waren während der Studie nicht mehr darauf angewiesen. Bei einigen Jugendlichen hat die Therapie nicht angeschlagen. Das ist leider nicht ungewöhnlich, auch bei schulmedizinischen Studien sprechen etwa 20 Prozent der Teilnehmer gar nicht auf eine Behandlung an. Natürlich ist es interessant, den Erfolg dieser Behandlung im direkten Vergleich zur allopathischen, also schulmedizinischen, Therapie zu sehen. Die Studie selbst tut dies ausdrücklich nicht, dafür hätte parallel noch eine dritte Kontrollgruppe mit Ritalin geführt werden müssen. Mehr lesen:
Linderung Verbesserung Zufriedenheit
Fazit:
Statt mit Ritalin können die Jugendlichen also auch mit homöopathischen Mitteln behandelt werden. Das ist eine gute Neuigkeit für Familien, die keine Lust auf psychoaktive und –verändernde Medikamente im Kinderzimmer haben. Allerdings brauchen die Betroffenen teilweise Geduld. Bei einigen Probanden dauerte es bis zu einem halben Jahr, bis sich der verbesserte Gesundheitszustand verfestigt hatte. Dann aber blieb er sehr stabil – über Jahre hinweg. Die Studie hat übrigens auch den Kostenaufwand bei dieser Behandlung erfasst. Sie konnte zeigen, dass die langfristig erfolgreiche Homöopathie deutlich geringere Kosten verursacht als die Behandlung mit Ritalin.
Insgesamt stellt diese Untersuchung einen beträchtlichen Durchbruch dar. Sie ist zwar nicht die Erste, die prüft, ob ADS mit Homöopathie behandelt werden kann. Sie ist aber die Erste, die dies nach solch rigorosen wissenschaftlichen Standards tut. Die Ergebnisse sind sehr ermutigend. Zusammengefasst lauten sie: Beim Heilerfolg begegnen sich Schulmedizin und Homöopathie auf Augenhöhe. Nebenwirkungen wurden bei den Teilnehmern nicht registriert. Und mit Placeboeffekten kann der Heilungserfolg nicht erklärt werden.
Quellenangabe: Textauszug aus: Homöopathie für Skeptiker, ISBN: 978-3426292259