Und was sonst noch in unserem Essen ist
Lebensmittel können neben ihren natürlichen Inhaltsstoffen auch gezielt zugesetzte Substanzen enthalten, darunter Vitamine, Mineralstoffe, Enzyme sowie Zusatzstoffe, die durch „E-Nummern“ gekennzeichnet sind. In der Europäischen Union sind derzeit über 300 Lebensmittel-Zusatzstoffe zugelassen. Diese Stoffe umfassen eine heterogene Gruppe chemischer Verbindungen, deren gesundheitliche Auswirkungen ganz unterschiedlich sind (1).
Zusatzstoffe können natürlichen Ursprungs sein oder synthetisch hergestellt werden. Sie erfüllen oft technische Funktionen, wie die Verschönerung der Farbgebung, der Beschaffenheit – Textur, oder der Haltbarkeit von Lebensmitteln.
Eine vielbeachtete Studie der Universität Southampton berichtete bereits 2007 über geringe, aber signifikante Effekte bestimmter Farbstoffmischungen auf das Verhalten von Kindern, wobei die Kinder die Farbstoffen nur sieben Tage aufgenommen hatten. In Reaktion auf diese Hinweise ist für Produkte mit entsprechenden Farbstoffen ein verpflichtender Warnhinweis vorgeschrieben: „Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen“. Mittlerweile existieren weitere Studien, die negative Auswirkungen von Zusatzstoffen auf das Verhalten von Kindern gefunden haben.
Azofarbstoffe stehen zudem im Verdacht, potenziell kanzerogen zu sein. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) definiert für zahlreiche Zusatzstoffe sogenannte ADI-Werte (Acceptable Daily Intake). Diese Werte definieren die tägliche Aufnahmemenge, die bei lebenslanger Exposition als gesundheitlich tolerierbar gilt. Auch für Curcumin wurde ein ADI-Wert festgelegt, da mögliche toxische Effekte auf die Leber bei einer außerordentlich hohen Dosierung bislang nicht ausgeschlossen werden können. Trotz dieser Maßnahmen bestehen weiter relevante Forschungsfragen:
- Die ADI-Werte werden meist an Mäusen und Ratten durch die Fütterung dieser Stoffe ermittelt. Ein Sicherheitsfaktor wird bei der Übertragung auf den Menschen eingeführt.
Hier stellen sich wissenschaftlich die Fragen:
- Schützen diese Werte vulnerable Gruppen wie Schwangere, Säuglinge, Kinder und Personen mit Vorerkrankungen ausreichend?
- Treten Interaktionen zwischen den verschiedenen Zusatzstoffen untereinander oder aber mit anderen Nahrungsbestandteilen auf?
- Welche negativen gesundheitlichen Effekte werden langfristig - über Jahrzehnte hinweg beobachtet?
Die potentiellen Konflikte zwischen technologischen oder wirtschaftlichen Interessen und einem hohen Verbraucherschutz zeigen den Bedarf an unabhängiger, methodisch robuster Forschung. Diese Forschung zu fördern, ist gesundheitlich essenziell, um evidenzbasiert Grundlagen für zukünftige politische Entscheidungen und ein sinnvolles Lebensmittelrecht für die betroffenen Menschen zu schaffen.