Über die komplexe Regulation im menschlichen Körper und die Einwirkung von pharmakologischen Substanzen darauf
Akute Entgleisung des Organismus versus chronische Krankheit
Wie lässt sich der Begriff Interventionsmedizin verstehen?
Nach einem Unfall, bei einem Notfall, in der Intensivmedizin, in der Unfallchirurgie oder bei einer schwierigen Geburt gelten eigene Gesetze: Kommt es zu einer akuten Entgleisung des gesamten Organismus, kann eine starke medizinische Intervention den Körper rasch stabilisieren.
Werden bei anhaltenden Dysbalancen ähnlich drastische Maßnahmen und Medikamente jedoch dauerhaft verabreicht, wirken sie täglich, stündlich und minütlich vergleichsweise grob in die fein abgestimmten Regelkreise des Organismus hinein.
Gängige Blutdruckmedikamente können zum Beispiel mittlere bis schwere Depressionen, Gewichtszunahme, Atemnot, Allergien oder Impotenz hervorrufen. Diese unerwünschten Wirkungen werden konventionell mit weiteren chemischen Wirkstoffen behandelt, die ihrerseits neue problematische Effekte im Körper hervorrufen können.
Frühe Komplementärmediziner bezeichneten solche Medikamentenfolgen nicht als Nebenwirkung – ein Begriff, der durchaus erwünschte Effekte signalisieren kann. Sie benannten sie nach ihrer tatsächlichen Wirkung als Arzneikrankheiten.
Bislang wird dieses Vorgehen in der konventionellen Medizin noch selten hinterfragt. Moderne Patienten sind in einer normalen Kassenpraxis inzwischen so trainiert, dass sie beim Hausarzt höchstens drei Aspekte ihres veränderten Zustandes benennen. Bei einem Facharzt äußern sie in der Regel nur noch ein einziges Symptom. Bedenkt man, wie fein wir reguliert sind, wird deutlich, wie vielfältig die Ausdrucksformen einer anhaltenden Dysbalance im Körper sein können.
Wir bezeichnen anhaltende Dysbalancen heute als chronische Krankheiten.